Es gibt Tage, an denen die Zeit nicht linear vergeht. An denen die Türen der Kammer nicht nacheinander, sondern gleichzeitig aufgehen. Ein einziger Tag im April 1994, geteilt zwischen drei Räumen, drei Frauen und einem Mann, der seinen Körper aufteilt, bis nichts mehr von ihm übrig ist.
07:00 Uhr – Das Salz (Rena)
In ihrer Wohnung.
Der Morgen ist kühl. Das Licht fällt durch die halb geschlossenen Jalousien auf das ungemachte Bett. Rena steht in der Küche. Er geht zu ihr. Es ist kein Liebesspiel. Es ist die Pflicht der Haut.
Er nimmt sie gegen die Arbeitsplatte. Trocken. Präzise. Ohne Worte. Das Salz reibt in der Wunde, aber es konserviert den Moment. Sie legt den Kopf in den Nacken, die Augen geschlossen, den Blick zur Decke. Er stößt zu, rhythmisch, fast mechanisch, bis er in ihr kommt. Es fühlt sich an wie ein Versprechen, das niemand einlösen wird.
Sie duscht danach. Er trinkt seinen Kaffee. Die zwei Zahnbürsten stehen im Glas. Alles ist an seinem Platz. Nichts hat sich verändert. Alles ist bewahrt.
„Ich habe dich genommen“, denkt er, als er die Wohnung verlässt. „Aber ich habe dich nicht geschmeckt.“
14:00 Uhr – Der Nebel (Clara)
In seiner Wohnung.
Der Nachmittag gehört den Schatten. Die Vorhänge sind zugezogen. Das Licht ist grau, schwer, fast greifbar. Er liegt auf dem Sofa. Sie kommt nicht durch die Tür. Sie kommt durch die Stille.
Clara setzt sich auf ihn. Langsam. Tief. Ohne ein Wort zu sagen. Es gibt kein Lichtspiel, kein Lachen, keine Hast. Nur der Rhythmus von elf Jahren. Sie reitet ihn in der Dämmerung seines Wohnzimmers, und er spürt, wie der Nebel ihn verschlingt. Er greift nach ihren Hüften, aber seine Hände gehen durch sie hindurch. Sie nimmt ihn, bis er vergisst, dass es eine Welt außerhalb dieses Zimmers gibt.
Er kommt stumm, den Blick in die Dunkelheit gerichtet, während sie sich langsam von ihm schiebt und ihren Rock richtet.
„Ich habe dich nicht berührt“, denkt er, während er auf dem Sofa liegen bleibt. „Aber du warst tiefer in mir als jeder andere.“
19:00 Uhr – Das Feuer (Gisa)
In ihrer Wohnung.
Der Abend brennt. In ihrer Wohnung roch es nach schwerem Parfüm, Kerzenwachs und Gefahr. Die Musik ist laut. Die Luft ist heiß. Gisa wartet nicht. Sie reißt ihn an sich, noch bevor die Tür ganz geschlossen ist.
Es gibt keine Sanftheit. Es gibt nur Hunger. Sie drückt ihn auf das Bett, steigt auf ihn, ritt ihn hart, unbarmherzig. Ihre Nägel graben sich in seine Brust. Sie beißt sich in seine Schulter, als er schneller wird. Das Feuer frisst sich durch die Laken, durch seine Haut, durch seinen Verstand. Er stöhnt, er flucht, er kommt schreiend in die Hitze ihres Körpers.
Sie bricht über ihm zusammen, schwer, atemlos, triefend vor Schweiß. Das Feuer hat alles verbrannt, was am Morgen noch übrig war.
„Ich habe dich verbraucht“, flüstert sie in sein Ohr, während ihre Nägel noch in seinem Rücken brennen. „Und du hast es geliebt.“
16. April 1994. Ein Tag. Drei Wohnungen. Drei Frauen. Ein Mann, der lernte, dass der Körper nicht lügt – auch wenn er sich selbst dabei zuschaut.