Es gibt Frauen, die man sucht, wenn die Welt zu laut wird. Wenn der Nebel zu dicht ist und das Feuer zu heiß brennt. Ulla war dieser Ort. Sie war kein Sturm, der alles mitreißt. Sie war der Wind, der kühlte, wenn die Haut brannte. Leise. Fest. Da.
Sie war kein Hauptquartier. Sie war ein Rückzugsort. Die Frau, die ihn auffing, wenn er fiel. Nicht seine große Liebe – aber sein sicherster Körper.
Der sichere Hafen
Ulla stellte keine Fragen. Sie wollte keine Erklärungen für seine Abwesenheit, keine Versprechen für seine Zukunft. Sie nahm ihn so, wie er kam: zerschlagen, hungrig, leer. Ihre Haut kannte ihn in Momenten, in denen er niemandem gehörte.
„Ulla fragte nicht, woher ich kam“, erinnert er sich. „Sie machte einfach ihre Beine breit. Und in diesem Moment war die Welt wieder in Ordnung.“
Sie ließ ihn kommen, wenn er nicht wusste, wohin. Sie war die Stille nach dem Lärm. Das kühle Tuch auf der heißen Stirn.
Das Kommen und Gehen
Man kann den Wind nicht festhalten. Das wusste er. Und sie wusste es auch. Deshalb gab es keine Eifersucht, keine Vorwürfe, keine gemeinsamen Kalender. Es gab nur die Momente, in denen der Wind durch sein Leben wehte. 1986. 1990. Und noch einmal, ganz am Ende, von 2005 bis 2008.
Sie war die Einzige, die ihn nicht besitzen wollte. Und genau deshalb konnte er immer zu ihr zurückkehren.
Das Verstummen (2014)
Ein Wind hört nicht auf zu wehen, weil er will. Er hört einfach auf. 2014 wurde es still. Der Wind, der ihn so oft gekühlt hatte, legte sich. Die Feder, die sich so leicht und schwerelos auf seiner Haut niedergelassen hatte, bewegte sich nicht mehr.
Sie starb. Und mit ihr starb der sicherste Ort, den er je gekannt hatte.
„Ich habe nicht geweint, als sie ging“, denkt Tony. „Ich habe nur gespürt, wie die Luft in meinem Leben plötzlich stillstand. Kein Ziehen mehr. Kein Streicheln. Nur noch die schwere, warme Stille.“
Man kann den Wind nicht besitzen. Man kann ihn nur spüren, bis er für immer schweigt.